Ist Ihr Betrieb bereit für ein ERP-System – und welches passt?
Die Frage „Sollen wir ein ERP-System einführen?“ ist im Ganzen nicht beantwortbar.
Die Frage „Sind die Stundenverrechnungssätze einheitlich hinterlegt?“ ist beantwortbar.
Dieses Werkzeug zerlegt die große Frage in einzeln entscheidbare Teilfragen und leitet daraus
eine nachvollziehbare Empfehlung ab.
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Das Problem
85 %
der Handwerksbetriebe bieten mindestens eine digitale Dienstleistung an.
Bitkom/ZDH 2025
16 %
der Kleinstbetriebe haben in fünf Jahren überhaupt in Digitalisierung investiert.
HERO/Statista 2025
68 %
der ERP-Projekte verfehlen ihre ursprünglichen Ziele.
Panorama Consulting Group
Der handwerkliche Kleinbetrieb ist nicht digitalisierungsfern, sondern teildigitalisiert: an den Stellen,
an denen ein einzelnes Werkzeug einen einzelnen Schmerz behebt. Was fehlt, ist die Durchgängigkeit.
Angebot, Auftrag, Baustellenzeit, Materialverbrauch, Nachtrag, Rechnung und Nachkalkulation liegen in
getrennten Systemen. Jeder Übergang dazwischen ist ein Medienbruch, und jeder Medienbruch kostet Zeit,
erzeugt Fehler und macht Auswertung unmöglich.
In vier Schritten zur Entscheidung
01
Betrieb verstehen
Betriebsprofil, Bedarfe und Bedingungen. Betrachtet werden Handwerksbetriebe mit höchstens neun
Beschäftigten.
02
Voraussetzungen prüfen
Kurz-Check mit zwölf Kriterien in fünf Dimensionen. Ergebnis ist ein Readiness-Profil mit
Belegstatus und dem Freigabepunkt G1.
03
Anforderungen ableiten
Bedingungen und Muss-, Soll- oder Kann-Prioritäten aus den Antworten, Gewichte aus dem Profil.
Danach Freigabepunkt G2.
04
Produkte vergleichen
Segmentvorauswahl, Muss-Prüfung, Nutzwertanalyse mit Sensitivitätsprüfung. Ergebnis ist eine
vorläufige Empfehlung oder eine begründete Nichtempfehlung.
Was dieses Werkzeug nicht tut
Es liefert keine Wirtschaftlichkeitsrechnung, keine Maßnahmenplanung, keine Produkt- oder Szenariotests,
keine Pilotierung und keine Begleitung der Einführung. Es stellt die Einführungsfähigkeit eines Betriebs
nicht unabhängig fest: Alle betrieblichen Angaben stammen aus den Antworten, alle Produktangaben aus
veröffentlichten Herstellerseiten. Wenn die Voraussetzungen nach Auskunft des Betriebs nicht vorliegen,
lautet das Ergebnis „noch nicht“ – eine begründete Nichtempfehlung innerhalb der
betrachteten Produktmenge, kein Urteil über den Betrieb.
Der Kurz-Check umfasst zwölf Kriterien in fünf Dimensionen. Wählen Sie je Kriterium die Stufe, die den
heutigen Zustand am besten beschreibt, von 0 (Mangel) bis 4 (zufriedenstellend umgesetzt). Können Sie eine
Frage nicht beantworten, kennzeichnen Sie sie als ungeklärt – das zählt nicht als Stufe 0, sperrt aber
die Freigaben. Setzen Sie den Haken nur, wenn ein Nachweis in der genannten Form vorliegt. Unterlagen werden
nicht eingesehen.
Teil 2 – Betriebsprofil und Anforderungen
Die Profilangaben werden nicht bewertet. Sie prüfen den Geltungsbereich, legen die Bedingungen der bedingten
Anforderungen fest, verschieben die Gewichte und bestimmen die Segmentvorauswahl. Danach legen Sie für jede
aktive Anforderung fest, ob sie Muss, Soll oder Kann ist.
Auswertung
Mögliche Produkte
Zehn Anbieter, die in kleinen Handwerksbetrieben regelmäßig in die engere Wahl kommen. Für jeden
Anbieter stehen hier Hersteller, Bereitstellungsform, Preis, Zielgruppe, belegte Stärken und
erkennbare Lücken – jeweils mit Verweis auf die Seiten, aus denen die Angaben stammen.
Es ist genau diese Liste, aus der die Auswertung im Check ihre Rangfolge bildet.
Das ist keine Marktübersicht und keine Empfehlung.
Der deutsche Markt für Handwerkersoftware umfasst weit mehr Anbieter. Diese zehn sind eine
begründete Auswahl, die alle drei Segmente abdeckt und damit zeigt, wie die Auswahlsystematik
arbeitet. Es fließen keine Vermittlungsprovisionen.
Woher diese Angaben stammen
Alle Angaben auf dieser Seite wurden von den öffentlichen Seiten der Hersteller gelesen:
Funktionsübersichten, Preisseiten und Hilfeartikel. Stand: Herstellerangaben, September 2026.
Preise sind Listenpreise ohne Umsatzsteuer und ohne Einführungs-, Schulungs- oder
Datenübernahmekosten.
Was die Zahlen 0 bis 4 bedeuten
Für jede der zehn Vergleichsanforderungen (V-01 bis V-10) trägt jeder Anbieter einen Belegwert. Er misst,
wie gut die Anforderung in den öffentlichen Herstellerangaben belegt ist
– nicht, wie gut der Anbieter sie tatsächlich erfüllt. Der Unterschied ist wesentlich
und wird weiter unten unter „Grenzen“ noch einmal aufgegriffen.
Stand der Werte. Die hinterlegten Belegwerte wurden noch nach einer früheren Fassung der
Regel vergeben: Darin stand 1 für eine Funktion, die nicht genannt, im Produkttyp aber vorstellbar ist, und
einen Wert u gab es nicht. Die Werte, die einen Ausschluss auslösen oder über Platz 1 entscheiden, wurden in
einem zweiten Durchgang einzeln nachgeprüft; eine unabhängige Zweitkodierung fand nicht statt. Die
Neuerhebung nach der aktuellen Regel und für alle 15 Anforderungen der Arbeit steht aus.
Herstellerangaben sind Eigenwerbung.
Ein Anbieter, der eine Funktion gut dokumentiert, muss sie nicht gut umsetzen. Ein Anbieter,
der sie nicht erwähnt, muss sie nicht fehlen lassen – M-SOFT ist dafür das deutlichste
Beispiel: Die niedrigen Werte sind dort vor allem eine Aussage über eine knappe
Informationslage. Die Rangfolge aus dem Check ist deshalb eine Shortlist für die
Vorführung, kein Auswahlbeschluss.
Drei Segmente, drei Bauarten
Unterschieden werden Funktionsumfang, Branchenbezug und Betriebsmodell. Daraus ergeben sich drei
Ausprägungen. S2 wird immer einbezogen, S1 nur bei überwiegend stationärer Arbeit mit geringem
Materialanteil, S3 nur bei regelmäßigen Ausschreibungen mit Leistungsverzeichnis. Die Segmente sind eine
Arbeitsabgrenzung, keine vollständige Markttypologie.
Die Anbieter im Einzelnen
Je Anbieter sind die drei am besten und die drei am schwächsten belegten Anforderungen
hervorgehoben. Die vollständigen Werte stehen in der Matrix darunter.
Alle Bewertungen auf einen Blick
Zehn Vergleichsanforderungen, zehn Anbieter, hundert Werte. Diese Matrix ist die Rechengrundlage: Der
Check prüft zuerst die Muss-Anforderungen (Belegwert 0 oder 1 führt zum Ausschluss), multipliziert dann
jede Zeile mit dem Gewicht aus dem Betriebsprofil und summiert spaltenweise auf.
Belegwerte 0 bis 4 je Vergleichsanforderung und Anbieter, Herstellerangaben, September 2026.
Grenzen dieser Übersicht
Beleglage statt Leistung. Gemessen wird die Dokumentation, nicht das
Produkt. Tatsächliche Bedienbarkeit, Zuverlässigkeit und Funktionserfüllung werden nicht geprüft; zwei
funktional gleiche Produkte können allein wegen ihrer Darstellung 25 % auseinanderliegen.
Unterschiedliche Informationstiefe. Cloudanbieter beschreiben ihren
Funktionsumfang öffentlich und detailliert, die klassischen Voll-ERP-Häuser deutlich knapper.
Das verzerrt den Vergleich systematisch zuungunsten der zweiten Gruppe.
Keine Preisvergleichbarkeit. Vier der zehn Anbieter veröffentlichen keine
Preise, alle aus S3. Ein Abgleich mit dem Budget des Betriebs findet nicht statt, und die Arbeit
klammert die Wirtschaftlichkeitsrechnung aus.
Momentaufnahme. Funktionsumfang und Preise ändern sich. Der Datenstand
ist bei jeder Angabe genannt; vor einer Entscheidung ist er zu prüfen.
Konzernverflechtungen. Zwei der zehn Anbieter gehören zur selben
Muttergesellschaft. Wer aus beiden ein Angebot einholt, holt kein zweites unabhängiges
Angebot ein.
Diese Seite erklärt das Verfahren hinter der Auswertung nach der wissenschaftlichen Arbeit im Modul
3WI24-BP-45. Kurzfassung: Erst wird geprüft, ob die betrieblichen Voraussetzungen nach Auskunft des
Betriebs vorliegen. Erst dann werden Anforderungen abgeleitet, und erst danach werden Produkte verglichen.
Ein begründetes „noch nicht“ ist ein vollwertiges Ergebnis.
Der Grundgedanke
Nicht beantwortbar
„Sollen wir ein ERP-System einführen?“
Im Ganzen nicht entscheidbar. Ein Funktionsvergleich allein sagt nicht, ob die
Voraussetzungen für die vorgesehene Nutzung vorliegen.
Beantwortbar
„Gibt es für jede Beschäftigtengruppe einen hergeleiteten, verbindlichen Stundenverrechnungssatz?“
Darauf gibt es eine Stufe und die Angabe, ob ein Nachweis vorliegt. Zwölf solcher
Fragen ergeben das Readiness-Profil.
Zu den Kürzeln.
DDimension der Readiness, KKriterium des Kurz-Checks
GFreigabepunkt (Gate)
BBedarf – angenommener Reibungspunkt im Betrieb
A / QAnforderung des Katalogs der Arbeit (funktional / qualitativ)
VVergleichsanforderung – mit diesen zehn rechnet der Prototyp den Produktvergleich
S1–S3Produktsegment
Das Verfahren in vier Schritten
01
Betrieb verstehen
Betriebsprofil, Bedarfe und Bedingungen. Bei zehn oder mehr Beschäftigten wird keine Empfehlung ausgegeben.
02
Voraussetzungen prüfen
Kurz-Check, Belegstatus, Reifeprofil. G1 nein: Vorarbeiten nötig, keine Empfehlung.
03
Anforderungen ableiten
Bedingungen, Priorisierung, Verfolgungskette. G2 nein: verfehlte Bedingungen nacharbeiten, keine Empfehlung.
Verbleibt nach der Muss-Prüfung kein Produkt, endet Schritt 4 mit „keine Empfehlung
innerhalb der betrachteten Produktmenge“. Vorarbeiten, Nacharbeit und Vertragsabschluss liegen beim
Betrieb (Abbildung 3 der Arbeit).
1 Voraussetzungen prüfen: der Kurz-Check
Stufen 0 bis 4, einzeln beschrieben
Jedes der zwölf Kriterien wird auf einer Skala von 0 bis 4 beantwortet. Stufe 0 bedeutet, dass ein Mangel
angegeben wird, Stufe 4, dass der Sachverhalt zufriedenstellend umgesetzt ist. Die Stufen sind je Kriterium
einzeln beschrieben, bauen aufeinander auf und sollen so klar sein, dass verschiedene Personen zum gleichen
Ergebnis kommen. Beispiel K-1.2 Kalkulationsgrundlagen einheitlich:
0
Es wird ohne nachvollziehbare Grundlage kalkuliert.
1
Ein Satz existiert, seine Herleitung ist niemandem bekannt.
2
Die Sätze sind dokumentiert, aber älter als zwei Jahre oder unvollständig.
3
Die Sätze sind je Beschäftigtengruppe hergeleitet und werden jährlich überprüft.
4
Ergebnisse der Nachkalkulation fließen in die Sätze ein.
Drei Belegstatus
belegt
Nach Angabe des Betriebs liegt ein Nachweis in der festgelegten Form vor. Die Unterlage wird nicht eingesehen.
auskunftsbasiert
Eine Stufe ist gewählt, aber ohne Nachweis.
ungeklärt
Der Betrieb kann die Frage nicht beantworten. Das zählt nicht als Stufe 0, sondern bleibt sichtbar.
Die Belegquote je Dimension dient nur als Hinweis auf die Aussagekraft und geht in keine
Freigabe ein. Jedes Kriterium trägt zusätzlich ein Kennzeichen: V = Lücke vor der Auswahl
schließen (Vorarbeit), E = Lücke im Zuge der Einführung schließbar (Einführungsleistung).
Fünf Dimensionen, Gewichte und Mindestwerte
Dimensionen, Gewichte und Freigabeschwellen des Kurz-Checks (Tabelle 1 der Arbeit). Angegeben sind die jeweils wirksamen Mindestwerte, die Bedingungen gelten kumulativ.
Verantwortung mit Zeitbudget, Führungsentscheidung
2
25 %
≥ 1,0
≥ 1,5
≥ 2,5
D5 Ökonomische Randbedingungen
Budget inkl. interner Zeit, Tragfähigkeit der Einführung
2
10 %
≥ 1,0
≥ 1,5
≥ 2,0
Gesamtwert
Gewichtetes Mittel der Dimensionswerte
12
100 %
–
≥ 2,0
≥ 2,0
Der Wert einer Dimension ist der Mittelwert ihrer bewerteten Stufen. Diese Mittelwertbildung ist eine
vereinfachende Festlegung, weil die Stufen zunächst nur eine Reihenfolge ausdrücken.
Warum diese Gewichte? Sie sind heuristische Prioritäten des Projektteams und nicht empirisch
kalibriert. Prozess- und Datenreife erhalten je 25 %, weil Passfähigkeit ein Abgleich zwischen
Systemfähigkeiten und den Anforderungen der Prozesse ist und fehlerfreie Altdaten zu den Erfolgsfaktoren
zählen. Die organisatorische Reife erhält ebenfalls 25 %, weil die Betriebsleitung in kleinen Betrieben stark
im Tagesgeschäft gebunden ist und meist selbst die Projektleitung übernimmt. Technik erhält 15 %, weil sich
Endgeräte und Schnittstellen meist beschaffen lassen. D5 erhält 10 %, weil sie ohne Wirtschaftlichkeitsrechnung
nur die Rahmenbedingungen prüft; G3 weist für sie trotzdem einen eigenen Mindestwert aus.
Drei Freigabepunkte
Die Gates bauen aufeinander auf. Ein hoher Wert in einer Dimension gleicht eine verfehlte
Bedingung in einer anderen nicht aus. Wird ein Gate verfehlt, werden alle verfehlten Bedingungen
ausgewiesen, auch ein zu niedriger Gesamtwert.
G1 ist für Prozesse und Daten strenger. Für die Anforderungsaufnahme muss bekannt sein, wie
der Betrieb arbeitet und wo seine Daten liegen. Ein Wert von 2,0 entspricht im Kern einer beschriebenen Praxis
und einem führenden Datenbestand mit bekannten Lücken. Bereinigte Daten ab Stufe 3 setzt G1 nicht voraus.
Sperrregel für ungeklärte Angaben. Ist mehr als ein Viertel der Kriterien einer Dimension
ungeklärt, werden alle Freigaben gesperrt. Im Kurz-Check mit zwei oder drei Kriterien je Dimension genügt
dafür ein einziges ungeklärtes Kriterium. Eine offene Angabe wirkt damit strenger als eine angegebene
Stufe 0, die im Mittelwert ausgeglichen würde. Das ist beabsichtigt, damit keine Empfehlung auf
ungeklärten Voraussetzungen beruht.
Rechenbeispiel
Fiktiver Sanitär-, Heizungs- und Klimabetrieb mit acht Beschäftigten (Tabelle 11 der
Arbeit). Die Werte unten werden live mit dem Rechenkern des Checks gerechnet.
Einzelwerte des Rechenbeispiels
Dimension
Kriterien und Stufen
Wert
Gewicht
Beitrag
G3 wird verfehlt, weil D4 mit 2,0 unter 2,5 liegt: Es ist kein Zeitbudget vorgesehen und
der Umgang mit parallelen Arbeitswegen ist nicht geregelt. Die vorläufige Empfehlung wird trotzdem
ausgegeben, mit dem Hinweis, D4 nachzuarbeiten.
2 Anforderungen ableiten
Priorität entscheidet über Ausschluss, Gewicht über Nutzwert
Muss
Ohne die Funktion kann ein zentraler Ablauf nicht abgebildet werden. Ein dokumentiertes Defizit führt zum Ausschluss.
Soll
Ihr Fehlen lässt sich durch einen anderen Ablauf ausgleichen.
Kann
Wünschenswerte Funktion.
Jeder aktiven Anforderung weist der Betrieb über seine Antworten eine Priorität zu.
Ausnahme ist die Ausstellung von E-Rechnungen: Sie ist bei Leistungen an inländische Unternehmer rechtlich
vorgegeben und gilt immer als Muss. Diese vereinfachte Projektannahme ersetzt keine steuerrechtliche Prüfung.
Das Gewicht wird nicht beim Betrieb abgefragt. Jede Anforderung startet mit einem
Ausgangsgewicht; feste Zu- und Abschläge aus den Profilangaben machen daraus das Rohgewicht
gi. Anschließend wird normiert:
wi = gi / ∑j gj
Eine Anforderung mit gi ≤ 0 erhält das Gewicht null.
Bedingte Anforderungen
Fünf Anforderungen des Katalogs sind bedingt: mobile Nutzung, Offline-Erfassung,
Wartungsverwaltung, Lagerführung und Fertigungsunterstützung. Die Bedingung beantwortet der Betrieb mit
„trifft zu“, „trifft nicht zu“ oder „ungeklärt“.
trifft zu
Die Anforderung ist aktiv und erhält eine Priorität.
trifft nicht zu
Gewicht null, die übrigen Gewichte werden neu auf 100 % normiert.
ungeklärt
Das Gewicht bleibt bis zur Klärung. Ein Defizit bei Muss führt nicht zum Ausschluss, sondern wird als offener Punkt ausgewiesen.
Der Anforderungskatalog der Arbeit
15 Anforderungen mit Herkunftskennzeichnung: L Literaturanschluss,
E eigene Konkretisierung, R Rechtsvorgabe, S Festlegung des
Projektteams. Gebündelte Anforderungen werden je Unterkriterium (a) bis (d) geprüft. Kriterien in grauer
Schrift gehören nur zur Langfassung und werden im Kurz-Check nicht erhoben.
Anforderungen mit Herkunft, Bedarf, Kriterien und Vergleichsanforderungen
ID
Anforderung und Herkunft
Bedarf B
Voraussetzung K
Im Prototyp V
Abweichung zwischen Prototyp und Arbeit. Der Prototyp vergleicht die Produkte noch anhand
von zehn Vergleichsanforderungen (V-01 bis V-10). Eine Umstellung auf die 15 Anforderungen verlangt, alle
zehn Produkte neu zu bewerten: 150 Belegwerte mit Fundstelle (Anhang, Tabelle 23). Bis dahin bleiben
A-03, A-07, A-11, A-12 und Q-01 bis Q-03 im Produktvergleich unberücksichtigt.
3 Produkte vergleichen
Der Produktvergleich beginnt erst, wenn G2 erreicht ist. Er hat vier Schritte.
Schritt A: Segmentvorauswahl
S2 Cloudbasierte Auftragssysteme werden immer einbezogen, da Angebot, Auftrag,
Leistungserfassung und Rechnung dort auf einer Datenbasis geführt werden.
S1 Kaufmännische Basissysteme zusätzlich, wenn der Betrieb überwiegend stationär arbeitet
und der Materialanteil gering ist.
S3 Gewerksspezifische Voll-ERP-Systeme zusätzlich, wenn der Betrieb regelmäßig auf
Ausschreibungen mit Leistungsverzeichnis bietet.
Weil S2 immer einbezogen wird, bleibt auch dann eine Produktmenge, wenn alle Produkte
eines zusätzlichen Segments an der Muss-Prüfung scheitern. Die Segmente sind eine Arbeitsabgrenzung, keine
vollständige Markttypologie.
Schritt B: Muss-Prüfung
abgedeckt
Belegwert 2–4
Nach Herstellerangaben unmittelbar abgedeckt.
nicht abgedeckt
Belegwert 0–1
Bei einer Muss-Anforderung ist das Produkt ausgeschlossen.
ungeklärt
Belegwert u
Kein Produktmangel, kein Ausschluss. Offener Punkt, zählt nicht als erfüllt.
Ein Ausschluss- und Entscheidungsprotokoll hält alle Produkte, den Prüfzustand jeder
Muss-Anforderung und bei einem Ausschluss die Herstellerangabe fest, auf die er sich stützt.
Schritt C: Nutzwertanalyse
S(j) = ∑i=1n w(i) · b(i, j)
j ist das Produkt, i die aktive Anforderung, w(i) ihr
Gewicht (alle Gewichte zusammen 100 %) und b(i, j) der Belegwert von 0 bis 4. Bei
Unterkriterien ist b der Mittelwert ihrer Belegwerte. Ungeklärte Werte gehen mit 0 ein, damit eine
Informationslücke den Nutzwert nicht erhöhen kann; ihre Zahl wird je Produkt gesondert ausgewiesen.
Beispielrechnung für ein Produkt mit ausgeglichenen Gewichten.
Vergleichsanforderung
Gewicht
Belegwert
Beitrag
V-02 Mobile Zeiterfassung
14 %
3
0,42
V-03 Mobile Materialrückmeldung
13 %
4
0,52
V-01 Angebot aus Leistungsvorlagen
12 %
4
0,48
V-06 Rechnung aus dem Auftrag
11 %
4
0,44
V-05 Preis- und Konditionspflege
10 %
3
0,30
V-04 Nachtragserfassung
9 %
3
0,27
V-09 Nachkalkulation
9 %
4
0,36
V-08 Auftragsstatus einsehbar
8 %
3
0,24
V-07 Wartungsverwaltung
7 %
3
0,21
V-10 Buchhaltungsschnittstelle
7 %
4
0,28
Nutzwert
100 %
3,52
Schritt D: Sensitivität, Erheblichkeit und Gleichstand
Jedes Gewicht wird einzeln um 20 % angehoben oder gesenkt, neu auf 100 % normiert und die
Rangfolge neu berechnet. Bei n aktiven Anforderungen ergeben sich 2n Variationen. Wechselt Platz 1 in einer
Variation, gilt die Rangfolge als nicht belastbar. Weil die Belegwerte nur fünf Stufen kennen, liegen die
Nutzwerte oft eng beieinander. Deshalb gilt zusätzlich eine Erheblichkeitsschwelle:
(S(1) − S(2)) / S(1) < 0,05 ⇒ nicht belastbar
Ein Gleichstand (Abstand unter 0,005 Punkten) wird gesondert gemeldet: Die
Sensitivitätsprüfung kann ihn grundsätzlich nicht erkennen, weil jede Gewichtsvariation beide Produkte um
denselben Betrag verschiebt. Die 20 % und die 5 % sind eigene Festlegungen, nicht empirisch hergeleitet.
Warum kein Analytic Hierarchy Process?
Der AHP errechnet Gewichte über paarweise Vergleiche. Bei n Anforderungen sind
n(n−1)/2 Vergleiche nötig, bei 15 Anforderungen also 105. Für den angestrebten Fragenkatalog wird darauf
verzichtet und nur die Nutzwertanalyse verwendet. Das ist keine allgemeine Aussage über die Eignung des AHP
für kleine Betriebe. Dass die Gewichte wertungsabhängig sind, ist für die Nutzwertanalyse typisch;
entscheidend ist, die Wertung offenzulegen.
4 Die Verfolgungskette
Herkunft und Verwendung einer Anforderung sollen vorwärts und rückwärts nachvollziehbar
bleiben (Gotel und Finkelstein). Das Projekt überträgt diesen Grundgedanken auf fünf Elemente:
Zuordnung von Bedarf und Produktangabe (Abbildung 1 der Arbeit, eigene Modellierung). Der
erwartete Nutzen beschreibt eine Zielvorstellung und keine nachgewiesene Verbesserung.
Der Bedarf ergibt sich aus den Antworten, die Voraussetzung aus dem Kurz-Check, die
Herstellerangabe aus den veröffentlichten Seiten der Hersteller. Eine praktische Funktionsprüfung oder
Wirkungsmessung ist damit nicht verbunden. Die Bedarfe B-01 bis B-13 sind Annahmen der Arbeit und wurden an
keinem Betrieb beobachtet. Die vollständige Zuordnung steht im Anforderungskatalog oben.
5 Evaluation: fünf konstruierte Szenarien
Die Evaluation ist künstlich und formativ angelegt (Simulation nach dem Framework for
Evaluation in Design Science, Strategie „Technical Risk & Efficacy“). Fünf konstruierte
Betriebsprofile decken alle Verzweigungen ab: Abbruch an G1, Abbruch an G2, vollständiger Durchlauf,
Durchlauf mit Produktausschluss und ein Profil oberhalb der Zielgruppe. Die Reifewerte unten werden live mit
dem Rechenkern des Checks aus den Stufen der Tabellen 14 bis 18 gerechnet und stimmen mit Tabelle 19 und 20
der Arbeit überein.
Dimensionswerte, Gesamtwert und Gates der fünf Szenarien
Szenario
D1
D2
D3
D4
D5
Gesamt
G1 / G2 / G3
Produktseite der Szenarien nach Tabelle 5 der Arbeit (Web-Prototyp, Stand 29.10.2026)
Szenario
Segmente
Produkte / ausgeschlossen
Platz 1 (Abstand)
A Maler, 4
S2
4 / 0
– (keine Rangfolge, G1 verfehlt)
B Elektro, 7
S2
4 / 0
– (keine Rangfolge, G2 verfehlt)
C SHK, 8
S2
4 / 0
HERO (10,3 %), belastbar
D Tischlerei, 3
S1, S2
6 / 2
HERO (4,9 %), nicht belastbar
E Zimmerei, 14
S2, S3
8 / 0
TAIFUN (1,7 %), nur Orientierung
Szenario D ist auf der Seite Arthur Geisdorf
als vollständig ausgefüllter Check mit Auswertung durchgespielt.
Befunde am eigenen Verfahren
Willkürlicher Gleichstand. Zwei Produkte trugen im ersten Durchlauf denselben Wertevektor,
die Sensitivitätsprüfung meldete trotzdem „stabil“. Seitdem werden Gleichstand und
Erheblichkeitsschwelle gesondert geprüft.
Muss-Ableitung und Segmentauswahl. Mobile Funktionen waren zunächst für jeden Betrieb Muss
und schlossen S1 im selben Durchlauf wieder aus. Seitdem ergibt sich die Priorität aus den Antworten.
Vorteil durch Dokumentationstiefe. Zwei funktional identische Produkte, durchgehend mit 4
beziehungsweise 3 belegt, liegen 25 % auseinander – das Fünffache der Erheblichkeitsschwelle.
Frühere Vergaberegel. Die Ausschlüsse in Szenario D beruhen auf Belegwert 1. Ob sie unter
der aktuellen Regel bestehen, hängt davon ab, ob ein Umweg oder nur eine fehlende Angabe belegt ist; das ist
bei der Neuerhebung zu klären.
6 Was dieses Verfahren nicht kann
Selbstauskunft. Interne Abläufe und Reifegrade gibt der Betrieb selbst an. Typische
Verzerrungen wie sozial erwünschte Antworten oder milde Selbsteinschätzungen lassen sich im vorgesehenen
Einsatz nicht ausgleichen. Die Betriebsleitung kann ihre Prozesse überschätzen, weil selbst gelöste
Ausnahmen als normaler Ablauf erscheinen.
Beleglage statt Leistung. Die Anbieterbewertung analysiert die öffentlich zugängliche
Dokumentation. Ausführlich dokumentierende Hersteller werden bevorzugt; Informationslücken sind kein echter
Softwaremangel. Das Ergebnis ist eine qualifizierte Shortlist, kein Auswahlbeschluss.
Anbieter, Preise und Quellen im Einzelnen.
Vier Ursachen einer Nichtempfehlung. Angaben zur Einführungsreife unter den Schwellen,
entscheidungskritische Fragen unbeantwortet, keine ausreichende Passung in der Produktmenge dokumentiert oder
Betriebsprofil außerhalb des Geltungsbereichs.
Nicht erprobt. Die Methode wurde in keinem realen Betrieb angewendet. Verständlichkeit,
praktische Anwendbarkeit und Wirksamkeit sind nicht untersucht; eine abgeschlossene Evaluation wird nicht
beansprucht.
Leistungsumfang. Keine Wirtschaftlichkeitsrechnung, keine Maßnahmenplanung, keine
Produktvorführungen, Tests oder Pilotierungen und keine Begleitung der Einführung.